antibeige. ein manifest – und eine interviewserie.

deutschland, wir haben ein problem – und es ist beige. beige wie der freizeitblouson und das sonnenhütchen. beige wie das zweisitzer-sofa aus dem möbelhaus und wie die fliesen im neubaubad (die investoren bestellen, weil sie damit genau den mittleren deutschen geschmack treffen wollen).

beige tut nicht weh, eckt nicht an und macht keine angst. aber es ist eben auch die verweigerung jeglicher geschmacks-entscheidung. Und nein, ‚greige‘ ist auch keine entscheidung. 2010 schrieb ‚magda‘ in einer kolumne für den ‚freitag‘ über Rentner, die „andauernd in beige gekleidet durch die Landschaft wandern. (…) der beige-virus grassiert entsetzlich und ist tatsächlich nicht final vernichtet.“ und sie schloß ihren text mit dem schönen zitat von george bernard shaw: „was wir brauchen, sind ein paar verrückte leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.“

und das ist das ziel dieser serie: wir porträtieren verrückte. im positiven sinne: menschen, die aus der reihe tanzen, die ein bisschen anders sind, die wenig darauf geben, was wohl die nachbarn denken. und da geht es nicht nur um den mut zur farbe, sondern auch um den mut, betondecken nicht zu verkleiden, ein vintage-sofa mit dottergelbem samt zu beziehen oder im bad gemusterte fliesen zu verlegen (gerne auch an der decke).

die welt ist wild, das leben ist bunt, lasst uns das beige zurückdrängen. eben: antibeige. das wort tauchte übrigens erstmals ende der 90er jahre auf, als der bunte, transluzente imac von apple auf den markt kam. tatsächlich waren bis dahin computergehäuse üblicherweise – beige. wer antibeige ist, ist für mehr pop, für mehr punk, mehr memphis und mehr was-ihr-wollt. attacke.